Tech Due Diligence: So bereiten Sie Ihre IT-Architektur auf die Series A vor

Spätestens ab der Series A schauen Investor:innen genau hin: Ist die Technologie skalierbar? Gehört das geistige Eigentum wirklich dem Unternehmen? Wie gross ist das Risiko eines Datenlecks? Eine technische Due Diligence beantwortet diese Fragen – und kann eine Finanzierung verzögern oder den Preis drücken, wenn sie schlecht vorbereitet ist.
Die gute Nachricht: Die meisten Punkte lassen sich in wenigen Wochen ordnen, wenn Sie früh beginnen.
Was Investor:innen prüfen
Der genaue Umfang unterscheidet sich je nach Fonds, doch fast alle Prüfungen decken fünf Bereiche ab:
- Architektur und Skalierbarkeit: Trägt das System das geplante Wachstum – oder braucht es nach der Finanzierung zuerst einen teuren Umbau?
- Code-Qualität und Prozesse: Gibt es Tests, Code-Reviews, eine nachvollziehbare Release-Pipeline?
- Sicherheit und Datenschutz: Wie werden Kundendaten geschützt? Ist die Bearbeitung mit dem Schweizer DSG und – bei EU-Kund:innen – der DSGVO vereinbar?
- Geistiges Eigentum: Wurden alle Rechte von Mitarbeitenden, Freelancer:innen und Agenturen sauber an das Unternehmen abgetreten? Welche Open-Source-Lizenzen sind im Einsatz?
- Team und Abhängigkeiten: Hängt das Wissen an einer einzelnen Person? Wie ist das Team organisiert?
Checkliste: Die wichtigsten Vorbereitungen
Architektur
- Aktuelles Architekturdiagramm mit allen Systemen, Datenflüssen und Drittanbietern
- Bekannte Engpässe und ein realistischer Plan, wie Sie sie lösen
- Dokumentierte Entscheide (z. B. in Architecture Decision Records)
Code und Delivery
- Zugriff auf das Repository mit nachvollziehbarer Historie
- Automatisierte Tests und eine CI/CD-Pipeline, die regelmässig genutzt wird
- Ehrliche Übersicht über technische Schulden – Investor:innen schätzen Transparenz mehr als Perfektion
Sicherheit und Datenschutz
- Zugriffskonzept: Wer hat Zugriff auf Produktion und Kundendaten?
- Backups und ein getesteter Wiederherstellungsprozess
- Verzeichnis der Bearbeitungstätigkeiten und Auftragsbearbeitungsverträge mit Dienstleistern
Geistiges Eigentum
- Arbeits- und Dienstleistungsverträge mit klarer Abtretung der Rechte
- Liste der eingesetzten Open-Source-Komponenten und ihrer Lizenzen
- Eigentum an Domains, Cloud-Konten und App-Store-Accounts beim Unternehmen – nicht bei Einzelpersonen
Die häufigsten Stolpersteine
- Fehlende IP-Abtretungen von früheren Freelancer:innen oder Agenturen. Nachträglich einzuholen ist mühsam – beginnen Sie hier zuerst.
- Wissensmonopol: Die Gründerin oder der erste Entwickler ist die einzige Person, die das System versteht.
- Keine Dokumentation: Ohne Diagramme und Entscheidungsnotizen dauert jede Frage der Prüfer:innen länger.
- Sicherheitslücken in der Infrastruktur: geteilte Admin-Zugänge, fehlende Zwei-Faktor-Authentifizierung, unverschlüsselte Backups.
Wer die Vorbereitung übernehmen sollte
Viele Startups haben vor der Series A keinen erfahrenen CTO. Gerade dann lohnt sich Unterstützung von aussen: Ein Fractional CTO kann die Bestandsaufnahme machen, Lücken priorisieren und Sie in den Gesprächen mit den Prüfer:innen vertreten. Wenn die Führungslücke grösser ist, übernimmt ein Interim CTO die technische Verantwortung über die Finanzierungsrunde hinaus.
Fazit
Eine technische Due Diligence ist kein Examen, das man besteht oder nicht – sie zeigt Investor:innen, wie professionell Sie mit Risiken umgehen. Wer Architektur, IP und Sicherheit früh ordnet, verhandelt aus einer stärkeren Position.
Sie stehen vor einer Finanzierungsrunde? Sprechen Sie mit uns – wir zeigen Ihnen, wo Sie stehen und was bis zur Prüfung zu tun ist.